Ich empfinde Respekt als den am schwierigsten zu vermittelnden Teil des Hütehundetrainings. Bevor du den nicht verstanden hast, gibt es keine Weiterentwicklung. In dem du einem Hund Manieren beibringst, fällt der Respekt leichter und mit dem Respekt wächst der Wunsch des Hundes dir zu gefallen.
Nun hast du beides, Manieren und Respekt.
Jetzt ist es Zeit, mit dem Training zu beginnen.“

Julie Simpson

 

BORDER COLLIES - WELTBESTE HÜTEHUNDE

Quelle “BorderWiki”

Die originäre Aufgabe des Border Collie

Der Border Collie ist eine faszinierende Rasse. Wer einen guten Border Collie bei der Arbeit an Schafen beobachtet, kann sich seiner Ausstrahlung kaum entziehen: Die Leistungsbereitschaft, die Ausdauer, Schnelligkeit und Klugheit erwecken in vielen Menschen den Wunsch auch so einen Hund besitzen zu wollen.

Nicht umsonst werden Border Collies vor allem für ihre Leistung als Hütehunde gepriesen - für diesen Zweck wurden sie seit jeher gezüchtet. Insofern kann man selbst unter Berücksichtigung aktueller Tendenzen zur Zucht von Showhunden oder Showlinien zu der sachlichen Feststellung kommen, dass die originäre Aufgabe eines Border Collie der Einsatz als Hütehund ist, oft im Sinne eines Berufs-Hundes.
Hüten als klassische Arbeitssituation des Border Collie

 

Typische Arbeitssituation in der Heimat der Border Collies / Foto:Archiv Dr. Viola Hebeler

Eine typische Arbeitssituation in der Heimat der Border Collies: Die Schafe werden von den Hills geholt und nach Hause getrieben. Auf diese Entfernungen kann der Schäfer seine Hunde im hohen Farn- und Heidekraut nicht mehr erkennen, er muß sie quasi blind dirigieren und sieht nur am Richtungswechsel der Schafe, ob der Hund gehorcht hat. Die Arbeit auf den Hills erfordert Talent, eine gute Ausbildung und Erfahrung.

Border Collies müssen sowohl auf weite Distanzen, teils außer Sicht- und Hörweite, selbständig arbeiten können. Andererseits müssen sie aber auch so kooperativ und leichtführig sein, daß sie sich auf diese Distanzen auch noch durch die Pfiffe der Schäfer leiten lassen, wenn sie Schafe übersehen haben, was bei dem buckeligen Gelände häufig vorkommt.

ARBEITSWEISE BEIM HÜTEN

Cast - das Umrunden der Schafe

  

Typische Körperhaltung des Border Collie / Foto: Archiv Dr. Viola Hebeler

Darüberhinaus müssen sie die typische Arbeitsweise beherrschen. Border Collies laufen in einem großen Bogen um die Schafe, die zusammengetrieben werden sollen. Die genetische Veranlagung dazu wird „Cast” genannt. Ein Border Collie mit „Cast” läuft auch ohne viel Training einen angemessenen Bogen um die Schafe. Diese Verhaltensweise entstammt dem wölfischen Jagdverhalten ebenso wie das Border Collie typische Treiben der Schafe. Sie schleichen sich dabei wie Wölfe an ihre Beute an. Der Vorderkörper wird abgesenkt, die Rute ist konzentriert eingezogen, der Blick fixiert die Beute und der Schritt ist langsam. Diese typische Körperhaltung in Verbindung mit einem entschlossenen Vorwärtsdrang sowie dem starr auf das Schaf gerichtetem Blick löst eine instinktive Fluchtreaktion beim Schaf aus.

Gespannte Konzentration auf die Schafe und unbedingte Entschlossenheit, den Willenskampf mit den Schafen zu gewinnen, zeigt dieser Border Collie. Ein Blick in sein Gesicht macht klar, daß man es mit einer ausgeprägten Persönlichkeit zu tun hat.

Der Drang zum Treiben

Allerdings genügt es nicht, die Schafe nur zu fixieren. Die Hunde müssen auch den entsprechenden Drang haben, sie vorwärts zu treiben, sonst erkennen die Schafe nach einiger Zeit die Harmlosigkeit des Eindringlings. Über die Geschwindigkeit des nachtreibenden Border Collies und den daraus resultierenden Abstand zu den Schafen lässt sich die Fluchtgeschwindigkeit der Schafe steuern. Dies ist in unwegsamem Gelände besonders wichtig, damit sich die Schafe nicht zu Tode stürzen. Auch führt übermäßiger Streß bei den Tieren zu Gewichtsabnahme und ist daher bei allen Schäfern unerwünscht. Border Collies müssen deswegen auf Kommando exakt stoppen und sich im Tempo regulieren lassen. 

Nun sollen Schafe ja nicht nur gerade vorwärts getrieben werden. Aus diesem Grund muß der Border Collie auch im Abstand rechts- oder linksherum um die Schafe flankieren können, um die Richtung zu ändern. Dieses Verhalten wird aus dem angeborenen „Cast” trainiert. Ein sofortiger Stop mit anschließendem erneuten „Anschleichen” versetzt den Schäfer in die Lage, den Hund präzise zu steuern, und damit auch die Schafe gezielt zu treiben.

Sheep Sense

Hilfreich ist dabei eine besondere Eigenschaft des Border Collies: „sheep sense”, der Sinn für das, was die Schafe als nächstes tun werden und sich ihnen am richtigen Punkt entgegenzustellen. „Sheep sense” befähigt einen Hund, eine Herde Schafe zusammen zu halten, sie von einem Punkt aus zu treiben und Ausbruchsversuche im Keim zu ersticken. All das wird vom Border Collie mit minimalem Einsatz gefordert. Anders als der Altdeutsche Hütehund soll der Border Collie nicht immer hin und her laufen, sondern die ganze Herde möglichst ruhig von einem Punkt aus treiben. Je besser er dies beherrscht, desto mehr „Balance” hat er. Diese Arbeitsweise beunruhigt die Schafe nicht unnötig und ist außerdem kräftesparend. Bedenkt man die Strecken und das Terrain, auf dem die Hunde arbeiten müssen, ist das ein wichtiger Faktor. 

Anpackerqualität

Border Collies sind für die Arbeit an quasi wilden Schafen gezüchtet worden, das erklärt auch, warum er beim deutschen Wanderschäfer meist nicht den richtigen Arbeitsplatz finden kann. Bei 500 zahmen Schafen braucht es mehr Anpackerqualitäten als sie der feine Balancierer mitbringt. 

Arbeiten auf große Entfernung

Kontrollierte Arbeit in großer Entfernung kann nur mit kooperativen Hunden erbracht werden. Natürliche Begabung für die Arbeit und eine hohe Kooperativität und Trainierbarkeit waren die Maßstäbe, die bei der Zucht angelegt wurden. Das Resultat sehen wir am relativ leicht auszubildenden und lernbegierigen Arbeits-Border Collie. In Groß-Britannien heißt das „willing to please” und ist ein Muß für einen potentiellen Arbeitshund. 

Frustrationstoleranz

  

Der Schlüssel zum kontrollierten Schafetreiben / Foto: Archiv Dr. Viola Hebeler

Aber mit Kooperativität lassen sich Schafe nicht beeindrucken. Nicht alle Schafe laufen automatisch vor einem anschleichenden Hund weg. Mutterschafe mit Lämmern oder Böcke können durchaus zum Angriff übergehen. Daher muß der Border Collie eine große Portion Mut und Geduld haben, um diesen Angriffen die Stirn bieten zu können. Bei großen Schafherden ist dies eine ständig wiederkehrende Aufgabe und verlangt ein hohes Maß an Frustrationstoleranz. Der Hund darf nicht aufgeben, auch in schwierigen Lagen muß er weiterarbeiten und darf nicht nach Hause laufen oder auch nur schnüffeln gehen.

Eine gefühlvolle aber entschlossene Annäherung ist der Schlüssel zum kontrollierten Schafetreiben. Dieser Hund hat alle eventuellen Ausbrecher fest im Blick.

 

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