[MW] Was ist ein Trial? Das war die erste Frage die uns Ruedi im Seminarraum auf der Sennweid stellte. Eine bunt gemischte Truppe aus Südtirol, der Schweiz und Deutschland war gefragt und gefordert. Ein Spiegelbild der täglichen Arbeit am Vieh soll es sein, das Trial oder die Arbeitsprüfung wie es in der Schweiz genannt wird, das Interrace oder auch die Koppelgebrauchshundeprüfung. Tierschonendes und ökonomisches Arbeiten ist gefragt, sowie Sheep sense für Hund und Handler. Wie bei allen Prüfungen gibt es auch hier ein Reglement, das in seinen wesentlichen Zügen besprochen und mit praktischen Beispielen von Ruedi belegt wurde.
Dann wurde ein grosser Bogen Karton auf den Tisch gelegt, “das ist das Feld, jetzt baut mal einen Parcours”! Tischttrialing war angesagt, mit dickem Stift wurden die einzelnen Stationen eines Trials aufgezeichnet und auch wieder verworfen. Detailliert wurde über Distanzen, Stellung der Gates, Positionierung von Pferch und Engpass sowie optimale Geländenutzung diskutiert. Thema in diesem sehr umfassenden Theorieteil war auch, wie man mit seinem Hund auf das Feld läuft und ihn vor dem Start positioniert.
Outrun, Lift und Fetch wurden erläutert und mögliche Fehlerquellen bzw. Punktabzüge erörtert. Speziell auch der Turn um den Pfosten wurde behandelt, was man da doch alles falsch machen kann! Beim Drive wurde insbesondere auf die Linien eingegangen, wie man die Gegebenheiten des Geländes am besten nutzt, dass man die Gates immer mittig angeht und die Wendungen trotzdem eng sein sollen. Auch der Engpass birgt viele Gefahren, hier den Hund ausschliesslich außen arbeiten lassen, immer das erste Schaf arbeiten und nicht das letzte. Shedden will genauso gelernt sein, das Shedding ruhig angehen ist mal ganz wichtig, die Schafe genau beobachten, keine Hektik reinbringen, den Hund unterstützen und im richtigen Moment reinziehen und die letzten zwei Schafe aufnehmen und wegtreiben. Aber welches sind die letzten zwei Schafe? Diese Frage wird wohl immer wieder mal gestellt werden. Zum Schluss das einpferchen, auch hier ist wieder Ruhe angesagt, Schafe stabilisieren, Pferch ganz auf und je nach Gruppe an den Pferch um die Schafe zu ziehen, oder weg vom Pferch um den Damen Raum zu geben.
Dann ging es raus auf die Wiese, frisch gemäht und wunderbar gelegen, grossräumig, leicht ansteigend bzw. abfallend. Gemeinsam wurde der zuvor besprochene Parcours gestellt. Zuerst der Startpfosten und der Pfosten beim Abholpunkt der Schafe. Da die Wiese auch noch einige Wellen hatte wurde peinlichst darauf geachtet, dass der Handler seinen Hund, wenn er hinter den Schafen ist, immer sieht. Dann die Gates, mit 7 Fuss oder 6,30 m Durchgangsbreite. Die Gates beim Quertreiben wurden nicht in gerader Linie, sondern bewusst etwas schräg gestellt, was den Drive nicht einfacher machte. Jetzt noch der Engpass und ein Pferch und der praktische Teil konnte beginnen.
Am ersten Tag wurde mit Trainingsschafen trainiert, die jedoch, da jetzt auf einer anderen Wiese, nicht so leicht wie am Vorabend auf der Trainingswiese zu handeln waren. Am zweiten Tag wurden die Mastlämmer vom Berg geholt, keinerlei Bezug zum Mensch, nicht panisch aber immer in Bewegung und ganz schön propper. Jeder Teilnehmer absolvierte jetzt seinen Lauf dem Leistungsstand des Hundes entsprechend. Die anderen Teilnehmer hatten die Möglichkeit den Lauf zu bewerten und das Ergebnis mit Ruedi abzugleichen. Zugleich wurde der Lauf mit Video aufgezeichnet und im Nachgang im Seminarraum analysiert. Der zweite Lauf am darauf folgenden Tag wurde direkt von Ruedi mit Mikrophon kommentiert und korrigiert, was erhebliche Verbesserungen brachte, Sheep sens halt. Dann wurden diverse Einzelprobleme angegangen und korrigiert. Besonders spannend die Arbeit mit zwei Gruppen, die gleichzeitig das treiben, shedden, auch auf Distanz, flankieren und das Kommando Look Back beinhaltete. Die Übungen am Engpass, der auch vom schmalen Eingang zu bewältigen war. Oder das halbe Malteserkreuz mit einem Bremshund in der Nähe des Ausgangs, sehr spannend!
Es waren zwei schöne und lehrreiche aber auch anstrengende Tage. Das Wetter war überwiegend schön, aber sehr schwül und drückend, was Hund und Handler auch an die Grenzen brachte. Aber es hat allen Spass gemacht, das Seminar mit Ruedi auf der Sennweid in der Schweiz. Zum Abschlusskaffee mit viel Erdbeerkuchen wurde noch der Qualilauf und der Finallauf von Clen und Ruedi in Norwegen angeschaut, das waren Distanzen!
Mit diesen Eindrücken und vielleicht auch dem einen oder anderen Traum, machte sich jeder wieder auf den Heimweg ins ferne Südtirol, nach Deutschland oder der Schweiz. Von unserer Seite, gerne einmal wieder!
Bilder von Gisi und Mario Trialseminar Sennweid
Bilder von Oli und Tanja Trial-Seminar
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